KREISVERWALTUNG: Neue Rolle für den Chef

Landrat Burkhard Schröder will seine Fachämter abgeben und plant fünftes Dezernat

 

HAVELLAND - Lange war sie angekündigt worden, die Verwaltungsreform. Jetzt macht der Landrat Ernst. Die vier Dezernate in der Kreisverwaltung sollen zum Teil neu zugeschnitten und um ein fünftes ergänzt werden. Als grobes Zeitfenster für die Reorganisation ist das erste Quartal 2010 vorgesehen.

 

Wie er sich das neue Dezernat vorstellt, verriet der Landrat jetzt im Kreisausschuss. „Dazu gehören das Amt für Kreisentwicklung und Wirtschaft, die Kämmerei und das Referat für Kultur, Sport und Tourismus“, informierte Burkhard Schröder (SPD) über seine Pläne. Die Kultur wäre als selbstständiges Amt neu in der Verwaltung.

Klar wurde auch, dass sich der Landrat mit der Reform vor allem selbst entlasten will. Das Kreiswirtschaftsamt, für das Schröder bisher persönlich zuständig war, wechselt in das neue Dezernat. Die Kommunalaufsicht, die ebenfalls zu Schröders Dienstbereich gehört, wird dem Dezernat I von Roger Lewandowski (CDU) zugeschlagen. Dafür wechselt die dortige Kämmerei ins neue Dezernat. Lewandowski verwaltet dann nur noch das Schul- und das Hauptamt, aber nicht mehr die Kreisfinanzen.

„Ich gebe meine Fachämter ab, um mich auf meine administrativen Aufgaben zu konzentrieren“, erklärte der Landrat. Dazu gehöre zu allererst das Managen des Kreistagsbüros. Eine Hand frei haben will der oberste Verwaltungschef auch für wichtige Sonderthemen. Ganz oben auf der Liste stehen die Kreisentwicklung, die Bundesgartenschau 2015 und ein kreisweites Projekt zum demografischen Wandel. „Das alles wird Kraft und Zeit kosten“, so der Landrat.

Was die monetäre Seite angeht, so soll die Reform weder sparen noch Stellen kürzen. In den Fachämtern werde sich personell nichts ändern, und für das neue Kulturamt könne aus dem vorhandenen Personalpool geschöpft werden, sagte Kreissprecher Erik Nagel. Nötig wird allerdings ein Chef für das neue Dezernat. Diese Stelle soll öffentlich ausgeschrieben werden. Gerüchte um Personalgespräche, die bereits geführt worden sein sollen, dementierte der Kreissprecher.

Dass eine Personalentscheidung fällt, bevor sich der Kreistag zur Verwaltungsreform positioniert hat, hält CDU-Vizefraktionschef Michael Koch für ausgeschlossen. Zwar sei die Reform formal nicht zustimmungspflichtig. „Es schadet aber sicher nichts“, so Koch, „wenn sich der Landrat dafür die Rückmeldung aus dem Kreistag holt.“ Von Schröders Plänen zeigte sich Koch indes nicht überrascht, im Gegenteil. Die Verwaltungsreform sei, wenn auch unkonkret, Bestandteil des Koalitionsvertrages, der im Dezember 2008 zwischen SPD, CDU, FDP und Bauern Plus geschlossen wurde.

Harald Petzold, Chef der Linksfraktion im Kreistag, kündigte an, sich „ genau anschauen zu wollen, was der Landrat da vorhat“, besonders personell. Denn Petzold ist skeptisch, ob der Personalplan mögliche Neueinstellungen im kommenden Jahr zulässt. Entscheiden wird das der Kreistag und zwar spätestens im März mit seinem Votum zum Haushaltsplan des Kreises für 2010. (Von Ulrike Kiefert)


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