WINTER: Warten auf die Schmelze

Bis zu 70 Liter Tauwasser könnten pro Quadratmeter entstehen

 

POTSDAM - Es ist milder geworden im Land, der Winter hat seinen Griff etwas gelockert, die Temperaturen klettern bisweilen vorsichtig über die Null-Grad-Grenze. Doch mit dem Tauwetter könnten auf die Region ganz neue Probleme zukommen: vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und Hochwasser.

„Bei 30 Zentimetern Schnee rechnen wir pro Quadratmeter mit bis zu 70 Litern Tauwasser. Wenn noch Regen hinzukommt, haben wir ein Problem“, sagt der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. In Regionen mit hohem Grundwasserspiegel wie etwa Havel, Rhin und Oderbruch, könne das Wasser schlecht versickern.

„Keiner weiß, was auf uns zukommt. Wir sind jedoch auf schwierige Wetterbedingungen vorbereitet“, sagt Freude. Immerhin sei wegen der geschlossenen Schneedecke der Boden in vielen Regionen nicht gefroren, so dass hier das Tauwasser gut versickern könne. Das unterscheidet die Situation vom Februar 2006, als das Tauwetter wegen der steinharten Böden zu vielen Überschwemmungen führte. Damals hatten jedoch Niederschläge die Situation verschärft.

Laut Umweltamt steht es derzeit um die Flüsse relativ gut, der Wasserstand sei normal bis niedrig. Die Hochwassergefahr durch Schneeschmelze sei entsprechend gering. „Im Einzugsgebiet von Elbe und Oder liegt weniger Schnee als in anderen Jahren“, so Freude. „Mehr Sorge bereiten mir die unberechenbaren Eisschollen auf der Oder.“ An nicht völlig zugefrorenen Stellen könnten sich durch Überlagerungen der Schollen binnen weniger Stunden bis zu zwei Meter hohe Staudämme bilden. „Vor gut zwei Wochen ist das im Raum Schwedt passiert, allerdings führte die Oder dort Niedrigwasser.“

Die Eisbrecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde waren vor zwei Wochen im Großraum Stettin unterwegs, mussten das Enteisungsmanöver allerdings nach zwei Tagen wieder abbrechen. „Das Eis floss nicht so gut ab wie erwartet“, erklärt Sprecher Sebastian Dosch. Ab heute wagen die Eisbrecher einen neuen Anlauf und versuchen, das Oder-Eis zu zerkleinern. „Die Frage ist, ob wir das Eis in Richtung Ostsee bekommen“, sagt Dosch. „Dann können wir stromaufwärts tätig werden. Vorausgesetzt, wir haben gute Plusgrade.“

Die Hochwassergefahr schätzt Dosch ähnlich wie Matthias Freude derzeit eher gering ein. „Wir haben keine Anzeichen. Aber ausschließen kann man das nicht.“

Gelassen blickt man im Havelland auf die Tauwetterperiode, obwohl es dort in den vergangenen Jahren immer wieder zu Überschwemmungen gekommen war. „Das bisschen Schnee auf den Feldern macht uns doch keine Probleme“, versichert Kreisumweltdezernent Henning Kellner. Eng könnte es erst werden, wenn der Pegel der Elbe durch die Schneeschmelze im Erzgebirge ansteigt und die Havel ihr Wasser nicht mehr abführen kann. Das ist aber erst im Frühjahr zu erwarten.

An Urlaub denke derzeit keiner im Landesumweltamt, der mit Hochwasserschutz befasst ist, versichert Behördenchef Matthias Freude. Die Mitarbeiter hätten bereits mit dramatischen Situationen Übung. „Im Januar 2003 sind wir in der Prignitz knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Damals hatten sich Eisschollen zu einem Drittel wie Sägen in die Deiche gefräst.“

Derzeit sei der Zustand der brandenburgischen Deiche allerdings so gut wie nie. „Die Investitionen von 300 Millionen Euro haben sich gelohnt und bedeuten ein großes Stück Sicherheit.“ In seiner Behörde herrsche daher noch „gespannte Ruhe“.) (Von Torsten Gellner, (mit dpa)


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