Gesundheitsminister Gröhe besucht Gesundheitszentrum in Falkensee

Die Brawo schreibt darüber am 14. Juni

Herrmann Gröhe sucht das Gespräch (Foto: Passow, BRAWO)
Herrmann Gröhe sucht das Gespräch (Foto: Passow, BRAWO)

Gröhe in Falkensee: Notfallversorgung als Knackpunkt

Falkensee (MOZ) Am Mittwoch hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in Falkensee mit Vertretern der Havelland Kliniken das Gespräch gesucht. Dem Treffen im Gesundheitszentrum wohnten auch Landrat Roger Lewandowski, Barbara Richstein und Hans Peter Pohl (alle CDU) bei. Die Gesprächsrunde war vom Bundestagsabgeordneten Uwe Feiler (alle CDU) initiiert worden.

 

 

Die Repräsentanten der Havelland Kliniken berichteten zunächst über ihre Erfahrungen mit dem pauschalisierten Entgeldsystem für die Psychiatrie und der Psychosomatik, kurz PEPPs. Die Einführung erfolgt schrittweise und zunächst freiwillig, seit 2013, wird ab 2018 verpflichtend sein für Kliniken mit diesem Leistungsangebot. Monika Rutsch, stellvertretende Verwaltungsdirektorin, wollte jedoch nicht auf diese Verpflichtung warten. Wie schon bei der Einführung der Fallpauschalen im somatischen Bereich, wollte sie sich dieser Herausforderung schnell stellen. "Und das war auch richtig so", meint sie. Und weiter, an den Minister gewandt: "Ich möchte sie an den Erfahrungen die wir mit den PEPPs gemacht haben teilhaben lassen." Immerhin rechnen die Havelland Kliniken bereits seit 2014 mit dem neuen System ab. Rutsch stellt fest, die Qualität der erbrachten Leistungen sei durch die Einführung nicht besser aber auch nicht schlechter geworden, wie Kritiker befürchten. Sie räumt ein, dass der Dokumentationsaufwand für alle an der Behandlung Beteiligten gestiegen ist. Der Drehtüreffekt ist jedoch ausgeblieben. Darunterist zu verstehen, wenn man Patienten nach Erreichen des höchst möglichen Entgeldes aus der Klinik entlassen werden, obwohl sie sich selbst noch nicht als genesen ansehen und kurze Zeit später wieder eine Klinik aufsuchen müssen. Das bestätigt auch Dr. Matthias Theophil, Chefarzt der Psychiatrie. "Wir hatten genau solche Befürchtungen. Das ist aber nicht passiert. Die Behandlung wird nach den Bedürfnissen des Patienten durchgeführt." Und: "Ich sehe hier keine Fehlanreize", fügt er ergänzend hinzu. Als belastend empfindet der Arzt eher die Parallelstrukturen, welche eine unterschiedliche Dokumentation für verschieden Empfänger erforderlich macht.

Dem stimmt Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland Kliniken, zu. "Weniger Bürokratie ist geboten." Zum Thema Notfallversorgung im ländlichen Regionen findet Dr. Mike Lehsnau, Chefarzt der Urologie und ärztlicher Direktor, die einleitenden Worte. "Der Bedarf an Ärzten und Pflegekräften nimmt zu. Gerade auf dem Land wird der demografische Wandel deutlich spürbar. Die Jungen ziehen weg, die Älteren bleiben." Diesen Herausforderungen möchten die Havelland Kliniken mit einem drei Pinkte Plan begegnen. In den Kliniken wird das Pflegepersonal durch Servicekräfte entlastet. Eine zentrale Patientenaufnahme mit angeschlossener Bettenkoordination wurde eingerichtet und neue Strukturen für den Notfall geschaffen. Eine weitere Entlastung für die Pflegenden. "Wir haben aber Probleme mit der Situation im ländlichen Bereich. In einigen Bereichen des Havellandes liegt die die Erreichbarkeit bei inzwischen 30 Minuten. Und sollte der Standort Rathenow geschlossen werden, wären etwa 40.000 Einwohner von genau dieser Situation betroffen."

Nun ist von einer Schließung des Standortes Rathenow keine Rede, doch im Zuge des Bettenabbaus und der Schließung einzelner Krankenhäuser macht man sich natürlich auch bei den Havelland Kliniken so seine Gedanken. Für die Alternative Notfall-Praxen würde das Aufkommen der Patienten hingegen nicht ausreichen, so die Vermutung.

Wie auch immer, die Krankenhausplanung ist Ländersache, darauf weist Gröhe noch einmal hin. "Und wir müssen auch immer die Krankenhauslandschaft als Ganzes sehen," führt er fort. "Wie wollen doch aber auch die Menschen in ihren Dörfern halten", gibt Landrat Roger Lewandowski zu bedenken. "Dafür müssen wir die Grundversorgung gewährleisten." Da sind sich alle einig.

"Um diesen Herausforderungen zu begegnen werden wir mehr Pflegekräfte und auch mehr Ärzte brauchen", stellt der Minister fest. Und weiter: "Vielleicht auch neue Berufsbilder, angesiedelt zwischen Arzt und Pflegekraft."

Mit dem Thema Ausbildung war dann auch schon der nächste Tagesordnungspunkt erreicht. Nach der Übernahme einer Altenpflegeschule planen die Havelland Kliniken die Eröffnung einer Pflegeschule in Nauen. Natürlich interessiert sich Anja Rummler, Leiterin besagter Altenpflegeschule, brennend für die Frage, wann denn nun die generalistische Pflegeausbildung beginnt. Da weitere Entscheidungen dazu erst am kommenden Donnerstag getroffen werden, kann Gröhe diese Frage noch nicht beantworten.

Die Reform der Pflegeausbildung sieht eine dreijährige Ausbildungszeit vor. In den ersten zwei Jahren lernen alle Azubis gemeinsam, für das dritte Jahr müssen sich die Auszubildenden für ihre Fachrichtung entscheiden. Altenpflege, Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege. Rummler schwebt für ihre geplante Schule noch eine weitere Variante dessen vor. Das Stuttgarter Modell sieht drei gemeinsame Jahre Ausbildung vor und abschließend die Möglichkeit als Krankenpfleger/in oder Altenpfleger/in abzuschließen. Oder ein weiteres halbes Jahr anhängen und beide Abschlüsse erhalten.

Gröhe nickt und gesteht ein, dieses Modell noch nicht zu kennen. Er formuliert seinen Wunsch an die generalistische Ausbildung wie folgt: "Die Gemeinsamkeiten der Pflege stärken." Man kann ihm ansehen, dass er hofft, dieses Ziel bald erreicht zu haben. Er verweist auf die gerade in der Altenpflege oft üblichen und gravierenden Gehaltunterschiede in den Bundesländern. "Ja, und deshalb greift der Pflegenotstand auch eher in Falkensee, als in Rathenow," führt Grigoleit den Gedanken weiter. "Da gehen die Leute lieber ins benachbarte Berlin arbeiten." Wegen solcher Gehaltsunterschiede würden die überwiegend weiblichen Pflegekräfte nicht unbedingt umziehen. Da sehen alle Anwesenden Handlungsbedarf.

Auch bei der nachfolgenden Führung durch das Gesundheitszentrum bleibt die Versorgung im ländlichen Raum ein Thema. Die Mitarbeiter des Gesundheitszentrums verweisen auf die nur 30 niedergelassen Ärzte in Nauen. In Falkensee sind es rund 90. Auch sie empfinden Teile des Havellandes als unterversorgt. Minister Gröhe hört sich all dies an, stellt Fragen, hakt nach, beweist neben Sachkompetenz s auch Verständnis. Man ahnt, so langsam rufen andere Pflichten, die Zeit drängt. Er bleibt ruhig, geduldig, noch ein abschließendes Foto, noch eines, dann verabschiedet er sich. Weit kommt er nicht. Auch für die bereitstehenden Polizisten hat er noch einen Moment.

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